Zorn & Zuversicht: Wissenschaftsfeindlich oder einfach misstrauisch? Unser Blick auf die Forschung

Wissenschaftsfeindlich oder einfach misstrauisch? Unser Blick auf die Forschung 

Das Narrativ „Österreich ist absolut wissenschaftsfeindlich“ hält einer genaueren Überprüfung so pauschal nicht stand – es ist vielschichtiger, historisch verwurzelter und spannender, als es auf den ersten Blick scheint. Warum tun wir uns im Alltag oft so schwer mit wissenschaftlichen Erkenntnissen – sei es beim Klima, in der Gesundheit oder in der Wirtschaft? Und liegt das wirklich an mangelndem Wissen oder an etwas ganz anderem?

In dieser Solo-Folge von Zorn & Zuversicht tauche ich, Christa Kloibhofer-Krampl, in die Datenlage, Soziologie und Geschichte der Wissenschaftsskepsis in Österreich ein. Ich identifiziere Mythen rund um Eurobarometer-Zahlen, beleuchte historische Fälle von strategisch erzeugtem Unwissen (Agnotologie) und zeige auf, warum echtes Vertrauen nicht durch trockene Belehrung entsteht, sondern durch Dialog, Transparenz und Kunst. Eine Folge über Misstrauen in Autoritäten, die Grenzen klassischer Kommunikation und das Potenzial von kreativer Erkenntnis für eine neugierige Zukunft.

In dieser Folge erfährst du:

  • Die harte Datenlage & das Eurobarometer-Paradoxon: Was die berüchtigte Eurobarometer-Umfrage von 2021 (53 % sahen keinen Alltagsbezug zu Wissenschaft) wirklich aussagte, was das ÖAW-Wissenschaftsbarometer ergänzt und warum Frustration in Krisenzeiten oft als Skepsis fehlinterpretiert wird.
  • Misstrauen in Autoritäten statt Wissenschaftsfeindlichkeit: Warum die IHS-Ursachenstudie (2023) zeigt, dass Vorbehalte selten gegen die Forschung an sich gerichtet sind, sondern gegen die Verflechtung von Wissenschaft, Politik und Wirtschaft.
  • Agnotologie – Die strategische Erzeugung von Unwissen: Wie historische Skandale (die Zucker-Lobby der 1960er, ExxonMobils Klimastudien oder Monsanto/Glyphosat) sowie heimische Parteien- und Umfragenskandale das Vertrauen in „gekaufte Expertise“ nachhaltig erschüttert haben.
  • Warum Wissenschaftskommunikation so schwer ist: Der Zielkonflikt zwischen dem Wunsch der Öffentlichkeit nach einfachen, absoluten Wahrheiten und der Natur der Wissenschaft als iterativer, selbstkorrigierender Prozess (Hypothese, Peer-Review, Falsifikation).
  • Kunst als Übersetzer & Brücke zur Zuversicht: Wie Initiativen wie der Zirkus des Wissens an der JKU Linz unter Airan Berg Wissenschaft durch Performance und Barrierefreiheit („Pay as you can“) erlebbar machen – als Ausblick auf das kommende Interview.

Teile deine Gedanken zum Thema Wissenschaftsskepsis und deine Erfahrungen gerne in den Kommentaren auf Instagram!

Links & Wissenschaftliche Quellen zur Folge:

  • Spezial-Eurobarometer 516 (2021): European Commission (2021): European citizens’ knowledge and attitudes towards science and technology. Bericht zur Studie (PDF)
  • ÖAW Wissenschaftsbarometer (2022): Österreichische Akademie der Wissenschaften (2022): Repräsentative Erhebung zum Vertrauen der Bevölkerung in Wissenschaft und Forschung in Österreich. Ergebnisse der ÖAW
  • IHS-Ursachenstudie zur Wissenschaftsskepsis (2023): Starkbaum, J., & Auel, K. et al. (Institut für Höhere Studien): Ursachen für Wissenschafts- und Technikskepsis in Österreich. Endbericht des IHS (PDF)
  • Agnotologie & Zuckerindustrie (1960er): Kearns, C. E., Schmidt, L. A., & Glantz, S. A. (2016): Sugar Industry and Coronary Heart Disease Research: A Historical Analysis of Internal Industry Documents. JAMA Internal Medicine. Fachartikel im JAMA Network
  • Orchestrierte Klimaleugnung (ExxonMobil): Supran, G., & Oreskes, N. (2017): Assessing ExxonMobil’s climate change communications (1977–2014). Environmental Research Letters. Studie im IOPscience Portal
  • The Monsanto Papers (Ghostwriting bei Glyphosat): McHenry, L. (2018): The Monsanto Papers: Poisoning the scientific well. International Journal of Risk & Safety in Medicine / PubMed. PubMed Abstract
  • Wissenschaftsvermittlung durch Kunst: JKU Linz – Zirkus des Wissens (Konzept & Programm unter der Leitung von Airan Berg). Offizielle JKU-Projektseite

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